Ausblick: Ab Juli geht's wieder los - wir freuen uns auf Sie und euch!

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Alte Geschichte heute neu – Theologisches zur Aktion mit dem Regenbogen

Ein Regenbogen für dich!

In Fenster gehängt, an Scheiben gemalt, aus buntem Papier gebastelt. Regenbogenbilder! „Alles wird gut“ steht unter manchen. Eine schöne Zusammenfassung der biblischen Geschichte mit dem Regenbogen würde ich sagen. Ich erzähle sie heute neu.

 

Heute erzähle ich die Geschichte mitten in diesen seltsam verletzlichen Corona-Zeiten. Kinder hängen in diesen Tagen Regenbögen in die Fenster um Kontakt zu halten, um anderen Kindern zu zeigen: hier leben auch Kinder, die daheim bleiben müssen, nicht in die Schule dürfen, zu den Freund*innen, zu den Großeltern. Und sie wollen anderen eine Freude machen und Mut: Alles wird gut.

 

Der Regenbogen ist ein wichtiges Zeichen in der sogenannten Geschichte von der „Sintflut“ oder der „Arche Noah“. Es geht um Noah, seine Frau (mal wieder leider namenlos), die Kinder, die ganze Familie. Und es geht um einen Auftrag von Gott: „Bau eine Arche, ein großes Schiff und nimm alle darin auf, die Menschen, die zu dir gehören und von allen Tieren ein Paar!“

 

Die Leute lachen Noah aus, weit und breit gibt es kein Wasser und er baut ein Schiff. Dann kommt sie, die große Sintflut. Es regnet und regnet. Tag und Nacht. Viele Wochen.

Alles wird überschwemmt. Leben vernichtet.

 

Die Lebewesen in der Arche sind eingesperrt, aber sicher. Es ist eng, langweilig. Es gibt Streit, Versorgungsengpässe. Viele haben Angst. Der Regen trommelt aufs Dach, Tag und Nacht, Tag und Nacht. Schlechte Nachrichten, Lärm, niemand kann sich entziehen.

 

Und dann – nach 40 Tagen und Nächten – gibt es erste Hoffnung. Plötzlich wird es still. Der Regen hat aufgehört. Vorsichtig wird ein Fenster geöffnet. Ein Rabe fliegt hinaus um nach guter Nachricht zu suchen. Er kommt ohne sie zurück.

 

Dann fliegt die Taube und kehrt ohne gute Nachrichten wieder. Sieben Tage wird gewartet. Dann fliegt die Taube ein zweites Mal. Sie kommt mit dem jungen grünen Zweig eines Olivenbaums wieder. Da wächst wieder was.

 

Nochmal sieben Tage warten. Nochmal Geduld haben. Dann fliegt die Taube wieder los. Und kehrt nicht mehr zurück. Sie hat trockenes Land gefunden, baut ihr Nest. Leben ist wieder möglich.

 

Und dann ziehen sie alle aus aus dieser Arche, dem großen engen dunklen Kasten, der sie geschützt hat. Menschen und Tiere. Eine große bunte Gemeinschaft.

Kinder fragen mich bei dieser Szene manchmal, wie die es ausgehalten haben damals alle zusammen. Und warum das Krokodil den Hasen nicht gefressen hat oder so ähnlich.

 

Eine sehr gute Frage! Ich weiß es nicht.

Aber sie ist erschreckend aktuell.

 

Wie ist das möglich, dass es alle miteinander aushalten? Dass der Streit nicht eskaliert? Die Angst nicht alles bestimmt. Gewalt draußen bleibt.

 

Wie ist das möglich, Geduld zu haben, wieder und wieder? Zu akzeptieren, dass es wichtigeres gibt als Arbeit und individuelle Wünsche. Wie ist das möglich, nicht durchzudrehen mit Homeschooling und Homeoffice und der Sorge um Angehörige und allem auf einmal?

 

Wie ist das möglich sich nah zu bleiben trotz Distanz? Wie ist das möglich, niemand allein zu lassen, einsam? Wie ist das möglich, dass fair geteilt wird? Alle ihren Raum und ihr Recht auf Leben haben?

 

Wie ist das möglich, dass nicht nur einige gerettet werden, sondern die ganze Welt im Blick ist – Frauen und Männer, Junge und Alte, Arme und Reiche, Geflüchtete und gut Geschützte, alle „Arten von Lebewesen“, die es gibt?

 

40 Tage Regen, ununterbrochen.

150 Tage Wasser überall.

7 Tage warten und noch mal 7…

So wird in der Bibel von großer Not erzählt – und von Geduld, Vertrauen, Hoffnung.

 

Und dann kommt der Regenbogen. Riesengroß. Wunderschön. In allen Farben.

Der Regenbogen überstrahlt alles. Er überspannt alles. Wie eine Überschrift.

 

Gott setzt den Regenbogen als Zeichen in den Himmel für ein großes Versprechen. Und Gott sagt: Immer wenn ihr in den Himmel schaut, erinnert euch daran, an dieses Versprechen, an diesen Bund zwischen mir und der Erde: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Nie mehr soll das Leben auf der Erde zerstört werden, sagt Gott, ich bin bei euch und für immer fest mit euch verbunden und mit dieser Welt!

„Alles wird gut!“ schreiben Kinder unter ihre Regenbögen in den Fenstern. „Alles bleibt gut!“ verspricht Gott.

 

08. April 2020, Pfarrerin Anne Daur-Lyrhammer, Leitung EVA