EVA wünscht gute Weihnachtstage und ein gesegnetes neues Jahr 2021!

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Eine Dienstreise nach Süd-Indien - Bericht am 21.11.2019, 12-13:30 Uhr im EVA

Empowerment auf Indisch!

„Free like a bird“ mit viel Last auf den Schultern! So hat Anne Daur-Lyrhammer Frauen in Indien erlebt. Auf Einladung der EHKN konnte sie mit einer Gruppe von Kolleg*Innen am Pastoralkolleg “Empowerment” teilnehmen und von Frauen in Indien lernen. Am 21.11. um 12 Uhr berichtet sie im EVA von dieser eindrücklichen Reise.

 

 

 

 

 

 

„Free like a bird“ mit viel Last auf den Schultern – Empowerment auf indisch

Stage fever (Lampenfieber) habe sie früher immer gehabt, jetzt nicht mehr, erzählt eine junge Frau. Das ist zu spüren – und nicht nur bei ihr. Wir sind in Indien, um über Empowerment zu lernen und wir lernen viel und erleben unglaublich viel Power! Selbstbewusst, strahlend, laut, so erzählen die Frauen bei unseren Begegnungen in allen Projekten.

   

Am Rande einer Präsentation unterhalte ich mich mit einigen von ihnen – das geht erstaunlich gut mit Geduld und Gesten und immer wieder ein paar Worten Englisch. Wir tauschen uns über Hühner aus, über Biodünger, Solaranlagen, Nähmaschinen und natürlich über unsere Kinder.

Ein Kind, maximal zwei haben sie. Und wie viele Kinder ich habe, werde ich gefragt. “Drei”, zeige ich mit den Fingern und ernte kritische Blicke. Doch dann lachen die Frauen selbstbewusst: “Don’t you know about familiy planning?”

Beim Besuch eines Entwicklungsprojektes in Karamadai sind wir im privaten Haus einer älteren Frau zusammen. Einige Plastikstühle stehen für uns Besucher*innen bereit, fünf Gäste passen auf das einfache Bett, die Dorfbewohnerinnen stehen oder sitzen am Boden. Auch einige Männer sind da, sie schauen interessiert durch die Fensteröffnung oder warten auf dem Weg vor dem Haus. Aber die Frauen sind es, die sprechen.

        

Ob sich ihre Situation durch das Projekt verändert habe, fragt eine Besucherin die Anwesenden. Ein Raunen geht durch die Gruppe, die Frauen strahlen. Dann antwortet die Gastgeberin und die Übersetzerin erklärt. Früher sei sie immer im Haus gewesen, jetzt gehe sie raus. “She feels she is a free bird”.

Ja, “going and growing” darum geht es, ergänzt Schwester Anila. Und dann stellen die Frauen ihre Fragen. “Do you like our village?“ „Do you like us?“ Sie wollen wissen, ob es in Deutschland auch Selbsthilfegruppen gebe und erzählen lachend, dass sie nicht erwartet hätten, dass wir so weiß sind.

Ernster ist die Stimmung als es um gute und nicht so gute Ehemänner geht, um Alkoholismus und die Frage, wo sie Hilfe und Schutz finden. “They share their shoulder for each other” fasst die Übersetzerin die Reaktionen zusammen. Eine Frau ergänzt: “Wir helfen einander es zu ertragen.” Von anderen Möglichkeiten wird nicht gesprochen.

Als eine Kollegin sagt, wie stark die Frauen sind, zu arbeiten, den Haushalt zu machen und die Kinder zu erziehen, gibt es eine einfache Erklärung: Das sei eben so, weil Frauen das besser können. „They are more mentally able!“ Und dann kommt wieder ein humorvoller Zwischenruf: “Und die Hausarbeit wird nicht bezahlt!“ „In Deutschland auch nicht!“ lachen wir.

    

Richtig Spaß haben wir dann mit unseren kleinen Gastgeschenken. Wir haben Postkarten aus einem Kreativprojekt von jungen Frauen in Frankfurt mitgebracht und Trillerpfeifen. „Die brauchen wir in Deutschland immer noch, wenn wir mal wieder nicht gehört werden!“ erklären wir. Den Frauen in Karamadai fällt sofort ein, in welcher Situation sie solch eine Pfeife auch gut gebrauchen können. „Respekt! Stoppt Sexismus!“ steht auf den Trillerpfeifen. Und das müssen wir gar nicht übersetzen lassen. „Respekt“ wird bei diesen Frauen direkt verstanden!

ANNE DAUR-LYRHAMMER       (https://pastoralkolleg.blogspot.com)

 

Kinder, Kinder

Im Prachodana Center for Social Service wohnen Kinder, die nicht in ihrem Familien leben können, aus der Kinderarbeit kommen und keinen Zugang zu Bildung hatten. Als wir Prachadona erreichen, werden wir schon vor dem Haus erwartet. Jede und jeder wird persönlich von einem Kind begrüßt und bekommt eine Blume überreicht.

Die Kinder freuen sich so, dass wir da sind und sie sind stolz uns etwas zu zeigen von ihrem Leben. Sie haben ein kleines Programm mit Tänzen und Liedern vorbereitet. Und dann antworten einige von ihnen ganz mutig auf unsere Fragen.

Ein Mädchen, das schon seit sieben Jahren in dem Projekt ist, wirkt zunächst sehr schüchtern, aber dann erzählt sie laut und lebendig. Sie ist so froh, dass sie in die Schule gehen kann und sagt, sie wusste früher gar nicht, was sie alles kann und wie viele Talente alle Kinder haben. Später will sie Gouverneurin werden. Empowerment pur!

Ein Junge berichtet, dass er früher zusammen mit seinem Bruder jeden Tag Besen binden musste. Erst seit die beiden in Prachodana leben, weiß er, was Musik und Sport, tanzen und spielen und Schule ist!

Was sie am liebsten machen, fragen wir. Und die Antwort ist eindeutig: Tanzen und singen mit Max. Der junge Mann aus Deutschland arbeitet für ein Jahr in Prachodana, als Freiwilliger der Karl Kübel Stiftung. Was Max denn so mit ihnen singe, wollen wir wissen. „Wannsee“ rufen alle begeistert. „Die Toten Hosen“ in einem Kinderheim in Indien, sehr cool!

             

Dann geht es darum, ob die Kinder auch uns Besucher*innen etwas fragen möchten. Sie möchten! Sie wollten unbedingt wissen wie wir heißen. So sagen wir alle unsere Namen und die Kinder lauschen als wäre das ein großes Geschenk. Ein dichter und schöner Moment ist es jedenfalls. Der ganze Besuch war beeindruckend und bewegend.

45€ Spenden pro Monat sind nötig für jedes Kind, damit es gut lernen und leben kann. 45€ und Menschen, die einander stark machen, machen solch einen großen Unterschied für ein Leben!

ANNE DAUR-LYRHAMMER         (https://pastoralkolleg.blogspot.com)

 

Deutsche Jugendliche, die als Weltwärts-Freiwillige im Projekt sind, haben zusammen mit den Kindern die Wand im Hof des Kinderheims bemalt:

 

 

„Live is what you make of it“ – Das „Good Shepherd Health and Education Center“

Das Good Shepherd Health and Education Center gibt es seit 42 Jahren an seinem Standort in Karamadai. Geführt wird es von Schwestern des Franziskanerordens. Das Zentrum wird von Schwester Anila geleitet. Unter ihrer Führung entwickelte es sich von einer klassisch, caritativ ausgerichteten Gesundheitsstation und Schule zu einer Organisation, die offensiv Projekte im Bereich Entwicklung in der Region fördert.

Mittlerweile sind ca. 24000 Frauen in Selbsthilfegruppen organisiert. Das Zentrum unterstützt die Frauen in den Bereichen „Social Empowerment“, „Economic Empowerment“, Health and Hygiene“, „Education“ und „Infrastructure“. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, den Frauen Selbstvertrauen zu geben und ihnen eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen z.B. durch Sparprogramme und Mikrokredite, um kleine Einkommensmöglichkeiten und/ oder Renovierungen an den Häusern zu finanzieren.

In dem Dorf das wir besuchten war der Erfolg deutlich zu sehen und zu erleben: Häuser konnten mit Kanalisation, Anbauten und anderem ausgestattet werden, über 90 % der Kinder gehen zur Schule und die allermeisten der Frauen im Dorf gehen neben dem Haushalt einer bezahlten Arbeit nach.

REBECCA MÜLLER (https://pastoralkolleg.blogspot.com)

 

Veranstaltung im EVA zum Thema “Empowerment auf Indisch” am 21.11.2019, 12:00 – 13:30 Uhr, EVA, Saalgasse 15, Frankfurt am Main